Die Bedeutung von Johann Peter Hebel (1)
Vor 200 Jahren starb Johann Peter Hebel. Auf einer Dienstreise für theologische Prüfungen erlag er am 22. September 1826 in Schwetzingen seinem Magenkrebs. Die literarische Welt würdigt ihn bis heute als Meister der Kurzgeschichte und als Verfasser der Alemannischen Gedichte, mit denen er die Mundart als poetische Sprache etablierte. Er war schon 40 Jahre alt und wirkte in Karlsruhe als Schulleiter und evangelischer Theologe, als ihn die Erinnerung an seine südbadische Heimat und ihre Sprache zu meisterhaften Gedichten inspirierte. Sie zeigen tiefe Liebe zu den Menschen und die Natur im Südschwarzwald – und überall, wo Alemannisch gesprochen wird. Aber auch nachdenklich und weit philosophisch ausholend sind einige der 32 Gedichte.
Im zweiten Gedicht ist die Bandbreite besonders deutlich: Vom Genuss mit Singen, Trinken, Küssen, „Jez hemmer′s und jez simmer do“ bis zur Erinnerung an Tod und Friedhof. Das Leben endet hoffentlich mit gutem Gewissen.
Freude in Ehren
wer will’s verwehre?
Singt’s Tierli nit in Hurst und Nast,
der Engel nit im Sterneglast?
E freie frohe Muet,
e gsund und frölich Bluet
goht über Geld und Guet.
Ne Trunk in Ehre,
wer will’s verwehre?
Trinkt ’s Blüemli nit si Morgetau?
Trinkt nit der Vogt si Schöppli au?
Und wer am Werchtig schafft,
dem bringt der Rebesaft
am Sunntig neui Chraft.
Ne Chuß in Ehre,
wer will’s verwehre?
Chüßt ’s Blüemli nit si Schwesterli,
und ’s Sternli chüßt si Nöchberli?
In Ehre, hani gseit,
und in der Unschuld Gleit,
mit Zucht und Sittsemkeit.
Ne freudig Stündli
ischs nit e Fündli?
Jez hemmers und jez simmer do!
Es chunnt e Zit, würds anderst goh.
’s währt alles churzi Zit,
der Chilchhof isch nit wit.
Wer weiß, wer bal dört lit?
Wenn d‘ Glocke schalle,
wer hilftis alle?
O gebis Gott e sanfte Tod!
E rüeihig Gwisse gebis Gott.
Wenn d‘ Sunn am Himmel lacht,
wenn alles blitzt und chracht,
und in der letzte Nacht!
–
Die Alemannischen Gedichte (damals schrieb man noch „allemannisch“ für das Adjektiv) erschienen 1803. Das Schreiben war für Hebel eine Liebhaberei neben seinem Hauptberuf. Er musste bei Freunden werben, dass sie das Werk bestellen würden, sonst hätte der Verleger Macklot keine 1.200 Exemplare gedruckt. Ganz bescheiden ließ Hebel nur seine Initialen angeben auf den Titelseiten. Das schmale Büchlein wurde aber ein Erfolg.
Die Erstausgabe der Gedichte ist selten auf dem antiquarischen Markt und kostet dann einige Tausend Euro. Die zweite Auflage immerhin noch bis zu tausend Euro. Auf dessen Titelseite ist Hebel dann mit vollem Namen und der Bezeichnung Professor in Carlsruhe vertreten. Er hat ein Wörterverzeichnis zum Verständnis des Dialekts an das Buch angehängt.
Um Hebels Alemannisch zu hören – und noch bestens vertont zu hören – empfehle ich den großartigen Künstler Uli Führe, z.B. auf Youtube: „Der Mann im Mond“ Text von Johann Peter Hebel, gesungen als Ballade von Uli Führe.
Bildnachweise
Johann Peter Hebel: aus Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen, Leipzig 1854, herausgegeben von Ludwig Bechstein, wiki Commons
Titelseite, Allemannischen Gedichte von Johann Peter Hebel, 2. Ausgabe, eigen
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