Die Zeitschrift „Psychologie heute“ über Dialekt
Schön, wenn man in der heimischen Stadtbibliothek Zeitschriften wie „Psychologie heute“ ausleihen kann und sich viele Hefte von 2023 bis 2025 finden, wenn man eine Klappe ganz unten im Spezialregal öffnet. Die Juniausgabe 2025 behandelt „Laute als Heimat“ und fragt sich, warum einige sich in Dialekten zu Hause fühlen, andere Menschen aber die Mundart unangenehm ist.
Einige Fakten und Thesen des dreiseitigen Artikels:
Das Butterbrot als Stulle in Berlin, Bemme in Sachsen und Bütterkern im Rheinland dienen als Dialektbeispiele ebenso wie das Kniffle im Ruhrgebiet, das Weckle oder die Semmel. Allgemein formuliert die Autorin Josefine Janert: Rund 20 Dialekte gibt es im deutschsprachigen Raum, so zählt es die Sprachwissenschaft.“ Einen Nachweis für diese Zahl gibt es nicht.
Vertrautheit und Ausgrenzung
Bei Großeltern und Eltern gehörter Dialekt kann mit Liebe, Vertrautheit und Zugehörigkeit verbunden sein, wenn die Familie positiv betrachtet wird. Umgekehrt kann Ausgrenzung am Heimatort dazu führen, sich eine Sprache mit weniger regionalen Merkmalen anzueignen. Das weiß die Wiener Sprachwissenschaftlerin Verena Sauer
Eine Berliner Kommunikationswissenschaftlerin ergänzt: Unter Freunden zu berlinern geht in Ordnung, an den Hochschulen kommt es nicht gut an, gilt als wenig fein. Diese Wissenschaftlerin hat in einer Studie herausgefunden: Menschen werden als weniger gewissenhaft und weniger offen für Erfahrungen wahrgenommen, wenn sie Dialekt sprechen.
Ein anderer Spezialist weist darauf hin: In Großbritannien ist Sprache an die soziale Schicht gebunden, in Deutschland an die Heimatregion. Auch „Kleinstaaterei“ habe Dialekte lange erhalten.
Dann geht es noch um das Missverständnis, dass alle Menschen aus der ehemaligen DDR mit dem sächsischen Dialekt in Verbindung gebracht werden und auch noch ein schlechtes Image aus Zeiten der deutschen Teilung hat.
Das Interesse wächst, obwohl weniger gesprochen wird
Die Abschlussthese: Umso weniger Menschen einen Dialekt sprechen, desto mehr scheint das Interesse daran zu wachsen. Er solle als Kulturgut bewahrt werden, etwa in Bayern und in Norddeutschland gebe es Gottesdienste auf Platt und sogar Poetry-Slams. Schließlich würden viele in sozialen Medien in Textnachrichten ihre Mundart verwenden.
Leider sind diese finalen Erkenntnisse dünn. Die tatsächlichen Basis-Initiativen für Dialekt, seine kulturelle Bedeutung werden nicht erkannt. Sie laufen allgemein unter dem journalistischen Radar. Immerhin geht es in dem Beitrag noch um einen Schauspieler, der platt spricht und auch auf der Bühne in Hamburg anwenden kann. Als Beispiel für Lebensgefühl und Dialekt. Ein wenig tiefer eindringen ins Thema hätte der Artikel schon können.
